Mit gutem Beispiel voran

IMAGE aktuell 21. April 2015

Ein junger Firmenchef in den USA startet eine ungewöhnliche Aktion.
Seine Mitarbeiter sind begeistert. Womöglich lacht sogar der Himmel.

Geschichten gibt’s – die kann man gar nicht glauben. Und doch sind sie wahr. Diese hier zum Beispiel, von der Zeitungen vor drei Tagen berichten (Spiegel-online u.a.; 18. April 2015). In den USA bestellt ein Chef alle seine 120 Mitarbeiter zu sich und sagt: Ich habe lange gerechnet; und hoffentlich richtig gerechnet. Wenn ich auf mein zu großes Gehalt von einer Million Dollar verzichte, kann ich jedem und jeder von euch mehr bezahlen, noch mehr als den Mindestlohn. Alle bekommen dann den gleichen Lohn – vom Chef bis zum Pförtner – nämlich 70.000 Dollar im Jahr. Das ist viel. Davon kann dann jeder auf ein Häuschen sparen und auch eine bessere Ausbildung der Kinder bezahlen. Als die Frauen und Männer in seinem Betrieb das hören, manche sogar weinen müssen und es kaum fassen, sagt der Chef noch: So könnten wir doch alle zufriedener sein und sorgloser arbeiten, oder?
Es klingt wie ein Märchen; es ist aber keins. Der 30 Jahre alte Chef, der in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebt und ein eher älteres Auto fährt, verzichtet auf sein großes Gehalt, damit viele andere in seinem Unternehmen mehr bekommen. Und sie dann auch ihre Kinder besser ausbilden können. Wo gibt’s denn so etwas? Das gibt es, vermutlich auch bei uns. Viele, die viel Gutes tun, reden nur nicht darüber. Warum auch. Sie wollen einfach nur Gutes tun und nichts davon an die große Glocke hängen, wie man so sagt. Sie leiden selber keinerlei Not und wollen, dass auch andere besser gestellt werden. Gehen mit gutem Beispiel voran. Aber nicht selbstlos, wie man denken könnte. Nein, sie rechnen nur richtig. Zufriedene Mitarbeiter leisten mehr. Fröhliche Angestellte verziehen nicht dauernd die Mundwinkel. Womöglich wird auch weniger mit den Ellbogen gekämpft. Mehr Geld gibt es ja doch nicht. Warum also gegeneinander arbeiten?
Eigentlich gewinnen alle. Vom Kleinsten bis zum Größten. Wenn das kein Beispiel ist. Ein Beispiel für Gerechtigkeit. Es ist schlimm, wenn Arme arm bleiben müssen, obwohl sie tüchtig arbeiten können. Es ist schlimm, wenn Ärmere dann eben auch ihre Kinder nicht ausbilden können und sich in keinen Urlaub trauen. Könnte zu teuer werden. Trostlos klingt das, muss aber nicht so bleiben. Manchmal kann, wie das Beispiel aus Amerika erzählt, schon einer, oder eine, für mehr Gerechtigkeit sorgen. Für heile Seelen also. Auf dem Fleckchen Erde, auf dem man lebt, geht das. Es muss auch nicht immer mit Geld zu tun haben. Mit ein wenig Fantasie gibt es auch andere Wege zu mehr Gerechtigkeit. Dann lacht uns der Himmel. Und Gott freut sich mit.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

Was uns selig macht

IMAGE aktuell 14. April 2015

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland nimmt zum Teil rohe Formen an. Wollen wir – und wenn Ja – wie können wir dem begegnen?

In Tröglitz in Sachsen-Anhalt wurde kürzlich das Haus angezündet, in dem 40 Flüchtlinge Platz finden sollen. Vorher war dort schon der Bürgermeister – später auch der Landrat – mit dem Tode bedroht worden. Wer Leserkommentare im Internet liest, erschrickt vor den Ausdrücken, mit denen Flüchtlinge bedacht werden. Darüber schreibt ein Redakteur diese Woche: Jeder fünfte Deutsche neigt dazu, Ausländer zu beschimpfen, laut oder im Stillen. Auch Menschen in Kirchengemeinden sind gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden vermutlich nicht nur freundlich gesinnt.
Die Menschen aus anderen Ländern kommen nicht gerne hierher. Viel lieber blieben sie in ihrer Heimat. Dort aber ist Krieg oder wirtschaftliche Not. Das spüren vor allem Kinder. Eine Million Kinder sind zurzeit mit oder ohne Eltern oder Familie auf der Flucht: Syrer, Kurden, Libanesen, Iraker, Iraner und viele andere. Die Erwachsenen sind oft gut ausgebildet und hatten einen Beruf. Jetzt haben sie als Besitz noch das, was sie tragen können. Warum wird ihnen mit Häme oder Hass begegnet?
Weil Menschen oft Angst haben, zu kurz zu kommen. Das ist weit verbreitet. Man fürchtet, zu kurz zu kommen. Man fühlt sich selbst auf keiner sicheren Seite und sorgt sich, dass andere einem etwas wegnehmen. Es geht dabei nicht so sehr um Menschen aus anderen Ländern. Wenn, mal angenommen, Menschen aus Hamburg Platz finden müssten in, sagen wir München, wäre es ähnlich, vermute ich. Das Gefühl, zu kurz zu kommen, etwas zu verlieren oder etwas nicht mehr finden zu können, was man für lebensnotwendig hält, ist nicht an Menschen aus anderen Ländern gebunden. Die Angst ist einfach da. Wer unbedingt etwas erreichen will, dem sind andere oft im Weg.
Wer in sich daran etwas ändern will, braucht eine wichtige Einsicht. Die heißt: Ich habe ziemlich viel von dem, was ich zum Leben brauche. Andere haben wenig oder nichts von dem, was sie zum Leben brauchen. Hilfe für andere, wenn man sie will, führt über diese Einsicht. Nur über diese Einsicht. Dann möchte man nämlich, als Einzelner oder als Gemeinde, einen gewissen Ausgleich schaffen zwischen denen, die einigermaßen viel haben und denen, die fast nichts haben. Wenn man das tut – ob mit Geld oder Zimmern oder in Vereinen und in der Gemeinde – erhält man ein eigenartiges Geschenk: Niemand, der abgibt, verliert etwas oder kommt zu kurz. Das ist eigenartig, aber deutlich. Zu kurz kommt, wer behält; weil es einem letzten Endes doch nie genügt. Wer teilt, wird reich. In der Bibel heißt dieses Geschenk „Reich Gottes“. Die eigenen Sorgen werden kleiner, wenn man sich anderer Sorgen annimmt. Weil man so reich wird an Gott.
Etwas können wir immer tun: Bleiben wir freundlich gesinnt; lassen wir uns durch Unfreundlichkeit nicht beirren. Jede Zuwendung macht selig.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

Wer dankt, lebt wie auf Zehenspitzen

IMAGE aktuell 8. April 2015

Einige Zeitungen veröffentlichen im Internet einen Brief ohne Namen, geschrieben an einen Piloten. Der Brief rührt mit schlichten Worten an die Tiefen des Lebens.

Es ist geschafft. Der Flieger ist gut gelandet und steht still. Die Piloten sind erleichtert und ein wenig erschöpft vom langen Flug. Nachdem die Fluggäste applaudiert haben, steigen sie schnell aus. Bis auf eine. (focus-online vom 3. April 2015). Die Frau wartet, bis sie ganz alleine im Flieger ist. Dann holt sie einen Brief aus der Tasche und drückt ihn einer Stewardess in die Hand. Die möchte ihn doch bitte weitergeben an die Piloten. Das tut die Stewardess. Die Frau verschwindet dann schnell. Als kurz darauf alle Arbeit im Cockpit erledigt ist, liest ein Pilot den Brief, der mit der Hand geschrieben ist, offenbar während des Fluges. Der Pilot ist tief berührt. Vor drei Tagen schreibt da eine Frau an den ihr unbekannten Piloten: „Danke, dass Sie mich heil nach Hause gebracht haben. Danke, dass Sie mir das Leben ermöglichen, das ich liebe, nämlich zu meinen Kindern und Enkeln zu fliegen und wieder nach Hause.“ Und ganz zum Schluss schreibt sie: „Am Ende eines Tages sind wir doch alle Menschen, die nur versuchen, diese Achterbahn des Lebens zu leben.“
Wunderbar hat sie das geschrieben, finde ich. Sie nennt übrigens ihren Namen nicht. Sie will eben einfach nur danken. Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das danken kann. Mit Worten, mit Gesten, mit seiner ganzen Haltung dem Leben und anderen gegenüber. Dann soll er es auch tun, der Mensch. Nichts ist selbstverständlich, auch das Gute, Glückliche nicht. Viele Menschen meinen und leben ja, als stehe ihnen das Gute allezeit zu; als hätten sie Glück und Schutz und Gesundheit ganz selbstverständlich verdient. Aber womit hätten wir es denn verdient? Alles Gute ist doch immer eine Gabe. Das ahnt die Frau und bedankt sich bei den Piloten. Andere bedanken sich bei Polizisten, beim Lokführer, den Ärzten und so vielen, die, oft unbemerkt, auf sie Acht geben. Manche vergessen nicht, sich für jede kleine Freundlichkeit zu bedanken, mit der andere ihnen begegnen.
Wer dankt, lebt wie auf Zehenspitzen. Leise, aufmerksam, vorsichtig. Ein bisschen über sich hinaus. Wer dankt, nimmt alles nicht einfach hin, wie es ist. Sondern sieht mehr. Spürt mehr. Dass die Welt und die Menschen und ich nicht einfach so da sind und nicht einfach nur für sich selbst da sind. Da ist noch etwas, noch mehr. Da ist auch der Himmel, der sich manchmal auftut über uns. Mitten im Leben. Und uns Fürsorge schenkt. Plötzlich und unerwartet. Wie damals in Jerusalem, am ersten Ostermorgen. Als alles nur finster und trostlos schien, kamen Licht und Liebe zurück in die Welt. Direkt vom Himmel. Und alle, die am Tod zu verzweifeln drohten, wurden heilfroh.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

Der Mensch ist nicht regelbar

IMAGE – aktuell 31. März 2015

Dass der Absturz des Flugzeugs über Frankreich am 24. März 2015 kein Unglück war, sondern absichtlich herbeigeführt worden sein soll, macht viele fassungslos. Wie können wir damit leben?

So kann der Mensch auch sein, müssen wir wieder erkennen. Der Absturz des Flugzeugs vor einer Woche über Frankreich war wohl kein verhängnisvolles Unglück, sondern könnte die willentliche Tat eines Einzelnen gewesen sein. Der 28-jährige Co-Pilot, sagen Ermittler, soll das Flugzeug mit 149 Personen an Borg planvoll zum Absturz gebracht haben. Ob es eine Tat aus Verzweiflung war oder eine Demonstration der Macht, werden die weiteren Ermittlungen vielleicht noch ergeben. Manches wird womöglich auch im Dunkel bleiben.

Zweierlei wird dabei schmerzlich bewusst. Zum einen: So kann der Mensch auch sein, ohne Hoffnung und zerstörerisch; dabei rücksichtslos, was Schmerz und Trauer anderer angeht. Zugleich wird noch etwas bewusst, was wir vielleicht ahnen, aber gerne wieder vergessen: Der Mensch ist nicht regelbar. Es kann Augenblicke geben, meist unerwartete, da wird ein Mensch teuflisch aus Verzweiflung oder Machtgebaren – oder himmlisch, demütig und mitfühlend, weil er den eigenen Willen zurückstellt um anderer und um Gottes willen. Oft sieht es aus, als lebten Menschen lange Zeit gerne und gut in einem ruhigen Fluss der Vernunft, des Anstands und der Fürsorge für andere. Aber dann gibt es Zeiten oder Momente, da gilt das Erlernte nichts mehr. Und ein Mensch wächst über alles hinaus, was ihm lieb und teuer war, um andere zu retten; oder er unterschreitet alles, was die Vernunft rät – und zerstört sich und andere in einem Akt der Verzweiflung oder der Demonstration von Macht.

Die Karwoche erzählt uns beides von Menschen. Die einen, Judas und Petrus, verraten oder verleugnen aus Angst den, der ihnen das Liebste im Leben war. Andere, hier die Frauen, schweigen, lassen aber das ihnen Liebste nie allein und begleiten Jesus auf seinem schweren Weg bis zum bitteren Ende. Der Mensch kann beides sein: himmlisch oder teuflisch. Manchmal kann sogar ein Mensch beides sein: ein freundlicher, unauffälliger Nachbar und einer, der Unfassbares anrichtet. Kein Mensch ist regelbar oder in allem erklärbar.

Wie will ich sein? Das ist eine Karwochenfrage: Wie will ich sein in Stunden der Not? In eigener Not und in Not anderer? Wie will ich sein in Minuten oder Stunden, die unberechenbar sind und nicht planbar? Ich kann es nicht wissen. Ich kann nur wissen, was ich mir vornehme für Zeiten, die voller Verzweiflung sind. Darum sollte ich, lange vorher und immer, Gott bitten:

Gott, erfülle mich mit deinem Geist,
auch im Schmerz meines Körpers oder meiner Seele.
Bewahre mich davor, dass ich schuldig werde an dir und anderen.
Hilf mir, mein Gott, damit ich, auch in eigener Not,
anderen etwas Himmel sein kann.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

Sinn ist mehr als Erklärungen

IMAGE aktuell 25. März 2015

Ein Flugzeugunglück wie das in Frankreich lässt uns wieder die Frage stellen: Warum geschieht so etwas?

Warum geschieht so etwas? Ein Flugzeug stürzt ab; über hundert Menschen kommen ums dabei Leben, darunter Schüler und Lehrer aus Nordrhein-Westfalen. Noch viel mehr Leid kommt über die Seelen der vielen, die jetzt um ihre Verstorbenen trauern müssen. Warum geschieht so etwas?
Natürlich wird es Erklärungen geben: das Wetter, womöglich ein Versagen, technisch oder menschlich. Von den Ursachen der Katastrophe am Dienstagmorgen in Frankreich werden wir hören, gleich oder bald. Gelegentlich spricht man von einer Kette unglücklicher Umstände, die zu einem schweren Unglück geführt haben. Erklärungen wird es geben; Erklärungen sind aber noch kein Sinn. Menschen fragen ja viel tiefer als nur nach den Ursachen. Welchen Sinn hat so etwas? Und überhaupt: Gibt es einen Sinn? Es soll doch Sinn haben, das Leben. Möglichst auch das Leid im Leben, selbst das schwere. Kein Mensch kann leben ohne Sinn. Welchen Sinn also hat eine solche Katastrophe? Hat sie überhaupt einen? Das ist das Rätsel. Und es bleibt ein Rätsel, auch wenn alle Erklärungen Antworten versuchen. Sinn ist mehr als Erklärungen.
Sinn ist immer sehr persönlich. Und dauert lange. Sinn kann man auch nicht selber machen. Aber man kann ihn finden. Manchmal. Vermutlich nicht heute oder morgen, vielleicht auch nicht in ein oder zwei Jahren. Aber, manchmal jedenfalls, nach vielen Jahren. Mit Gottes und der Menschen Hilfe. Nach vielen Rätseln und seltsamen Wegen, oft auch nach vielen Schmerzen, setzt sich das Bild meines Lebens dann auf einmal doch neu zusammen. Und ich erkenne nach einer längeren Zeit und mit viel Abstand: Was damals nur schrecklich und sinnlos erschien, was damals nur ein langes Leiden war, sieht heute anders aus. Etwas weniger dunkel, nicht mehr nur leidvoll. Ganz vorsichtig gesagt: Was damals war, erscheint mir heute weniger sinnlos. Jedenfalls hoffe ich darauf. Für mich und für alle, die heute trauern oder tief erschrocken sind. Vor allem deswegen glaube ich ja an Gott, suche ihn und frage nach ihm. Weil ich auf Sinn hoffe und ihn von Gott erwarte.
Wer sonst sollte die Rätsel meines Lebens lösen können? Wer, wenn nicht Gott, sollte meinem Leben den Sinn geben können, den ich brauche?
Bis dahin will ich das tun, was ich kann: So tapfer wie möglich bleiben, Menschen um Beistand bitten und hoffen. Hoffen auf Gott.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

Projektteam Kirche & Film zeigt „Birdwatchers“

Besondere Filme auf neue Art sehen
Das Projektteam Rollenwechsel – Kirche & Film zeigt den Film „Birdwatchers – Das Land der roten Menschen“ in der Citykirche am Jesuitenplatz in Koblenz am Donnerstag, 26. März 2015 um 19.00 Uhr.
Die weißen Großgrundbesitzer im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul führen ein komfortables Leben. Neben dem Anbau genveränderter Pflanzen gehören „Birdwatching“-Touren für Touristen zu ihrer Einnahmequelle. Als Foto-Attraktion engagieren sie Guarani-Kaiowa Indianer, die von ihrem fruchtbaren Land vertrieben wurden. Deren perspektivloses Dasein löst eine Revolution aus…
Anstelle einer sonst bei Filmen üblichen Werbung gibt es einen ausgewählten Kurzfilm, eine kleine Einführung in den Spielfilm und nach dem Abspann die Einladung zu einem Filmgespräch. Der Eintritt ist frei.
Ab Oktober 2015 plant das Rollenwechselteam eine weitere Filmstaffel in der Citykirche.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Dekanat Koblenz, der Katholischen Hochschulgemeinde, der Abteilung Medienkompetenz des Bistums Trier und der Katholischen Erwachsenenbildung.

Infos zum Projekt:
Matthias Olzem, Dekanat Koblenz, Florinspfaffengasse 14, 56068 Koblenz

Matthias Olzem (Tel. 0261-963558-22)

Neu denken! Veränderung wagen

28759coAm Beispiel von Fischerfamilien an den Küsten der Philippinen macht das kirchliche Hilfswerk MISEREOR in der Fastenaktion 2015 auf die weltweiten Auswirkungen des sich verändernden Klimas aufmerksam. Die Entwicklungen des Klimas müssen uns zu „neuem Denken“ anregen. Es ist höchste Zeit, Veränderungen zu wagen. Unterstützen Sie die MISEREOR-Fastenaktion 2015!

MISEREOR
IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10
BIC GENODED1PAX
Pax Bank Aachen
Herzlichen Dank!

Anekdoten-Konzert „Für solche Schweine spiele ich nicht!“

Ein außergewöhnliches und amüsantes Konzert findet am Sonntag, 15. März um
16.00 Uhr im Mariensaal von Kloster Arenberg statt: Erfahren Sie heitere und auch tragische Anekdoten über berühmte Komponisten und hören Sie dazu passend ausgewählte Vokal- und Instrumentalmusik. Denn eines ist klar: Das oben genannte Beethoven-Zitat gilt an diesem Nachmittag nicht; bei diesem Konzert spielen die Ausführenden selbstverständlich gerne für Sie…!Mitwirkende: Vokalensemble „Lucente“, Yannick Wahl (Bariton/Claviola) und Dekanatskantor Dr. h.c. Peter Stilger (Flügel/Leitung). Der Eintritt ist frei; es wird um eine Spende gebeten.

Dr. h.c. Peter Stilger

Gegen die Hölle hilft nur Liebe

IMAGE aktuell 10. März 2015

Ein Kinofilm dieser Tage berührt große Ängste. Ein Grund, ihn anzuschauen und zu fragen: Habe ich, so weit das möglich ist, mit meinen Angehörigen über alles Nötige gesprochen?

Plötzlich fehlt ihr ein Wort. Ein kleiner Moment nur, aber er tut weh. Das Wort will ihr nicht einfallen, und es heißt auch noch: Wortschatz. Ein paar Tage später steht sie vor ihrem eigenen Haus und weiß nicht mehr, wo sie ist. Sie kommt vom Joggen zurück; alles dreht sich in ihr. Der Moment dauert dann schon länger und tut noch mehr weh. Alice, die Amerikanerin und Sprachwissenschaftlerin, ist fünfzig Jahre alt und vergisst immer mehr. Was ist los?, denkt sie und geht zum Arzt. Der untersucht sie und sagt, sie habe Alzheimer, leider sehr früh. Sie habe die Krankheit geerbt und könnte sie an ihre drei erwachsenen Kinder weiter vererbt haben. Nun erschrecken auch Ehemann und Kinder. Diese Geschichte erzählt der Film „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“, der gerade in unseren Kinos läuft und für den die Hauptdarstellerin Julianne Moore vor zwei Wochen den Oscar gewonnen hat. Sie spielt, wie Alice sich allmählich immer mehr vergisst: Wer sie war, woher sie kommt, was sie will. Ihre Familie macht sich kundig über die Krankheit und versucht zu helfen. Bald ist klar: Gesund wird die Mutter nie mehr. Eines Nachmittags, als ihr wieder sehr vieles schiefgegangen ist, sagt Alice laut zu sich: Es ist die Hölle.

Ich glaube ihr das. Man sieht es ihrem Gesicht an. Dem Ehemann und den Kindern auch. Sie alle möchten leben, lachen, feiern – aber da ist Alice, die sich immer mehr vergisst und spürt, dass sie zu einer Last wird. Nichts hilft, außer einem: Alle müssen diese Last tragen. Gemeinsam. Verschweigen hilft nicht; sprechen tut gut. Überspielen hilft nicht; ehrlich sein schon. Wer einen Verwandten hat, der sein Gestern vergisst und immer weniger weiß, wer er oder sie einmal war, soll sprechen. Nichts verschweigen. Keine Mühsal verleugnen. Und ehrlich sein zu sich. Oft geht es zu Hause nicht mehr mit der Pflege. Man kann nicht alles schaffen, auch wenn man den Anspruch hat. Oft ist ein Heim dann die bessere Lösung. Bei Alice hilft eine Tochter. Sie zieht zur Mutter. Nicht gerne, aber sie folgt ihrem Pflichtgefühl. Nachmittags liest sie der Mutter manchmal etwas vor. Aus einem Buch über Planeten und andere Welten. Man sieht, dass die Mutter kein Wort versteht. Hast du das verstanden, fragt die Tochter? Ja, sagt Alice. Und worum ging’s, fragt die Tochter? Um Liebe, sagt Alice.

Ja, nur darum geht’s. Um Liebe nämlich, wenn eine Hölle droht. Jeder Kranke bittet: Habt mich noch lieb. So, wie ich bin. So, wie ich gewesen bin. Auch wenn ich mich vergesse – vergesst ihr bitte nicht, wer ich einmal war für euch. Und passt auf mich auf. Behaltet mich lieb. Gegen die Hölle hilft nur Liebe.

Michael Becker
mbecker@buhv.de