Etwas bizarr mutet an, was aus dem dänischen Königshaus zu hören und zu lesen ist (STERN am 15.8.2017). Ein seit Jahrzehnten gekränkter Prinz Henrik verweigert öffentlich schon zu Lebzeiten die Bestattung neben seiner Frau.

Wir müssen heute einmal in das dänische Königshaus schauen, zu Königin Margrethe, 77 Jahre alt, und ihrem Mann Prinz Henrik, 83 Jahre. Wir schauen nicht dorthin, weil wir neugierig sind auf gekrönte Häupter, sondern weil wir aus dem dänischen Königshaus Nachrichten erhalten, die einen erschrecken lassen und fragen: Wie ist das bei uns selbst?
Henrik, gebürtiger Franzose, ist kein „König“, er ist von Amts wegen „nur“ Prinzgemahl. Er ist also, was seinen Titel angeht, seiner Frau und Königin von Dänemark nicht gleichgestellt. Das kränkt ihn seit Jahren, wie man liest und hört. Und in den letzten Tagen hat er sogar gesagt: Ich will nicht neben der Königin beerdigt werden; ich bin ja kein König. Das sagt er nach fünfzig Ehejahren. So tief sitzt sein Schmerz. Dabei soll das Grabmal für beide in der Kapelle St. Brigittes der Domkirche von Roskilde schon entworfen sein.

Kränkungen können tief gehen. Manchmal zerreißen sie sogar die Seele. Und dieser Riss soll oder will dann einfach nicht heilen. Fünfzig und mehr Jahre nicht. Es kann sein, dass jemand eine Kränkung trägt und immer wieder daran leidet, Jahr für Jahr, schon beim geringsten Anlass. Manchmal etwas zu laut daran leidet. Wie der Prinzgemahl Henrik von Dänemark.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass er sich beklagt und seine Kränkung öffentlich macht. Viele Zeitungen hören ihm dann immer wieder gerne zu. Sie brauchen Geschichten von Angst und Schmerz – gerade auch von ihrem Prinzgemahl
Diese Geschichte aber ist eine zu viel.

Gekränkte haben nicht alle Rechte, nur weil sie gekränkt sind. Und keine Kränkung geht über den Tod hinaus. Wer mit seiner Partnerin fünfzig und mehr Jahre zusammen war, wird mit ihr auch beerdigt. Was wird denn das für ein Bild: Die Königin in ihrem Grab, der Ehemann Gott weiß wo. Kinder und Enkel fahren womöglich durch halb Europa, um die Gräber zu besuchen. Nein, das geht nicht. Im Tod endet jede Kränkung. Aber besser noch vorher. Kränkungen darf man nicht pflegen wie Blumen am Fenster. Man darf sich auch nicht mit einem falschen Stolz umgeben, nur weil man dann in seiner angeblichen Unschuld leben kann.
Anderen etwas heimzuzahlen ist keine christliche Tugend. Erst recht nicht, wenn es öffentlich geschieht jahre- oder jahrzehntelang. Darum tun wir alles, was uns möglich ist, um selbst keinen Unfrieden mit ins Grab zu nehmen. Am besten beginnen wir noch gleich heute damit. Und versöhnen uns mit denen, von denen wir meinen, dass sie uns gekränkt haben.
Der Himmel ist zu schön für Streit. Und Verzeihen ist ein weit offenes Tor zum Himmel.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

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