Vom Mut, sich zu bekennen

IMAGE-aktuell 15. September 2015

Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bern an Bundeskanzlerin Angela Merkel vor vier Tagen ging sie anschließend in einem Gespräch auch auf die Sorgen vor einer „Islamisierung Deutschlands“ ein. Dabei fand sie so freundliche wie deutliche Worte.

Die Bundeskanzlerin hat uns Christen neulich ein wenig die Leviten gelesen, ganz freundlich natürlich. „Leviten lesen“ ist ein Ausdruck aus dem Judentum. Diener im Tempel hielten dann eine Art Strafpredigt aus dem 3. Buch Mose, das im Hebräischen „Leviticus“ heißt. Darin mahnt Gott und weist auf den rechten Weg, von dem man ja auch abkommen kann. Vor einigen Tagen war es die Kanzlerin Angela Merkel, selbst Pfarrerstochter, die Christen an den rechten Weg erinnerte.

Das kam so.

Bei einem Gespräch in der Universität Bern wurde sie gefragt, ob man bei den vielen Flüchtlingen aus der arabischen Welt nicht Sorge habe müsse vor zu viel Islam in Deutschland. Da hat sie zuerst auf die Tatsachen gezeigt und gesagt, es gebe jetzt etwa 4 Millionen Muslime in Deutschland, das seien 5 Prozent der Bevölkerung, also eher wenige. Sie gehörten zu uns. Dann sagte sie wörtlich, so freundlich wie ernst: „Haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind. Haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch ein Bild in der Kirche noch erklären zu können. Und wenn sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her.“

Das sind klare Sätze. Bevor wir uns Sorgen machen, wie stark und fest andere in ihrem Glauben sind, sollten wir fragen, wie ernst es uns ist mit unserem Glauben. Angst als Gefühl ist berechtigt, aber nicht immer richtig. Wenn man ängstlich wird, sollte man in Ruhe darüber nachdenken, alleine und mit anderen. Dann stellen wir fest, dass in Deutschland etwa 55 Millionen, also 2/3 aller Menschen, einer christlichen Kirche angehören. Und etliche, die weder katholisch noch evangelisch sind, glauben auch an Gott und seinen Sohn Jesus. Wir sehen aber selten volle Kirchen, dafür oft volle Moscheen. Wir pflegen eher selten unsere Glaubensregeln wie tägliches Gebet, Lesen in der Bibel, Zeiten der Stille, Fasten und Spenden oder den Besuch des Gottesdienstes – und erkennen bei anderen dann, wie ernst sie ihren Glauben gemeinsam im Alltag leben. Niemand kann nur für sich glauben und bekennen. Es gehört immer eine Gemeinschaft, eine Gemeinde dazu. Gemeinsam bekennt es sich leichter; gerade in schwierigen Zeiten. Man kann sich dann austauschen, ernste Fragen miteinander besprechen und möglichst fröhlich miteinander singen und beten.

Machen wir doch Ernst mit dem eigenen Glauben; räumen wir Gott mehr Zeit ein in unserem Leben. Dann spricht es sich leichter mit denen, die anders glauben. Aus der Angst kann dann ein Gespräch werden über das, was uns trennt und das, was uns verbindet. Schließlich verspricht Jesus ja (Matthäus 10,32): Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.

Michael Becker
mbecker@buhv.de

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