Archiv für den Monat: Juli 2014

Zur Quelle gehen – auch als Busfahrer

Liebe Mitchristen,
während meines Studiums im schönen Mainz hatte ich ein Semesterticket für Bus und Bahn. Mit diesem Ticket, einmal bezahlt, konnte ich alle Buslinien und Regionalbahnen im Mainzer Raum und weit darüber hinaus frei nutzen. Getreu dem Motto „Lieber gut gesessen als schlecht gegangen“ nutzte ich das Ticket auch sehr gerne, eigentlich fast immer. Dies brachte mir in meinem Semester bald den Ruf ein, etwas…sagen wir „gehfaul“ zu sein. Dieses neckige Image begleitete mich während meines Studiums und darüber hinaus. Ich bediente es in Mainz auch immer wieder gerne, wenn ich etwa bei gemeinsamen Gängen den Sitz an der Bushaltestelle dem Zu-Fuß-gehen vorzog, auf den Bus wartete und dann meist zeitgleich mit den Anderen am Ziel ankam.

Warum sind meine MitstudentInnen aber so gerne zu Fuß gegangen? Nun, ich schätze (soweit sich ein „Gehfauler“ diesem Mysterium annähern kann), das Gehen war für sie ein Ausgleich zu den Belastungen des Tages und die körperliche Betätigung hat ihnen geholfen, den Kopf frei zu bekommen und wieder richtig durchatmen zu können. Warum habe ich bewusst das Warten gewählt, alleine an der Haltestation? Das Warten auf den Bus gab mir die Gelegenheit auf meine Weise meinen Gedanken über den Tag in Ruhe nachzugehen und das am Tag Erlebte gut zu verarbeiten. Was uns allen, Gehern wie Busfahrern, wohl gemeinsam war, ist der Versuch frei zu werden und durchzuatmen.

Die Ferienzeit, die vor uns liegt, lädt uns ein, die Arbeit Arbeit sein zu lassen, loszulassen, inne zu halten und frei zu werden von den eigenen Erwartungen an mich selbst und von den Erwartungen anderer. Wir dürfen neue Kraft schöpfen für unser Leben. Ein schönes neues geistliches Lied trägt den Titel „Lasst uns zieh‘n zu den Quellen des Lebens“. Als Christen bekennen wir Jesus Christus als unsere Kraftquelle, unsere Quelle des Lebens. Zu ihm dürfen wir kommen und all unsere Sorgen, Nöte und schweren Gedanken in die Quelle seiner Freiheit versenken, uns im Gebet an ihn wenden und schließlich froh und gesättigt wieder gehen. So lädt uns die Ferienzeit ein zur Quelle zu gehen, sei es in der bewussten Mitfeier eines Gottesdienstes, beim lange geplanten Kaffeeplausch mit der besten Freundin, beim Gemeinschaftserleben eines Public Viewings oder sei es bei einem ausgiebigem Spaziergang durch die Flur…oder…oder…oder.

Jeder ist eingeladen seinen und ihren Weg zur eigenen Quelle des Lebens zu finden, egal ob „Busfahrer“ oder „Zu Fußgeher“. Und so wünsche ich Ihnen genau das für die Ferienzeit: Um es mit meinem Namenspatron zu sagen: „Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu das oft. Aber ich sage: Tu es immer wieder einmal.“ Jetzt wäre die Gelegenheit. Gönnen Sie sich die Zeit, zu Ihrer Quelle zu gehen und Kraft zu schöpfen. Und wer weiß, vielleicht begegnet man sich bei einem Spaziergang in der Flur, aber bitte verraten Sie es keinem meiner Freunde und Bekannten… 😉

Mit sonniger Vorfreude auf die gemeinsame Sommerzeit, die vor uns liegt, grüße ich Sie herzlich!

Bernd Schmitz